Weltenbummler plant die Rückkehr Benda will Eishockey-Bundestrainer werden „Ein Jahr noch in Russland“/Wechsel zu Woskresensk/B-Trainerschein von Thomas Lipinski Prag (sid) Wandervogel Jan Benda zieht es ein letztes Mal in die Ferne. „Ein Jahr noch in Russland, danach komme ich auf jeden Fall zurück nach Deutschland“, sagt der Eishockey-Nationalspieler, der seit seinem 15. Lebensjahr auf Kufen um die Welt reist. Woskresensk, 80 Kilometer von Moskau entfernt, ist die nächste Station - und soll definitiv die letzte sein. Der Eishockey-Weltenbummler hat Großes vor in der Heimat, die er in den vergangenen Jahren so selten gesehen hat. „Ich möchte Trainer werden“, sagt Benda, der am Mittwoch seinen 32. Geburtstag feierte: „Mein großes Ziel ist es, die Nationalmannschaft zu trainieren.“ Mit Franz Reindl, dem Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), hat er bereits über seine Pläne gesprochen. Einen Bundestrainer Benda kann sich Reindl gut vorstellen. „Ich denke, dass er das könnte. Er ist der Typ dafür“, sagt der Ex-Profi und sieht die Bewerbung positiv: „Es ist doch nur zu begrüßen, wenn jemand mit einer solchen Reputation und so viel Auslandserfahrung diesen Job machen will.“ Zunächst soll Benda, der zusammen mit anderen Nationalspielern den B-Trainerschein schon gemacht hat, in der DEB-Nachwuchsarbeit beginnen. Doch dafür muss der in Belgien geborene Sohn tschechischer Emigranten erst seine Wanderjahre beenden, und ganz so weit ist es noch nicht. Beim russischen Erstligisten Chimik Woskresensk hat Benda, der am Mittwoch gegen Tschechien sein 147. Länderspiel bestritt, einen Einjahresvertrag unterschrieben. Wohnen wird er in Moskau: „Das ist schon etwas näher an zuhause und wärmer.“ In den vergangenen beiden Jahren spielte er in Kasan, 750 Kilometer östlich der Hauptstadt am Ural. Nach Russland gelockt hat Benda das Geld, daraus hat er nie einen Hehl gemacht: „Ich verdiene dort in einem Jahr so viel wie in Deutschland in drei Jahren.“ Den Traum von der Karriere in Amerika, der ihn rastlos um die Welt trieb, hat er ausgeträumt. „Ich habe meine Chancen gehabt. Alles, was ich die ganze Zeit in der NHL gesucht habe, gibt mir jetzt Russland“, sagt er: „Anerkennung, eine starke Liga und natürlich auch das Finanzielle.“ Vergessen hat er dabei, was Heimat bedeutet. Nach Deutschland, wo er aufgewachsen ist, kehrt er nur einmal im Jahr, wenn die Eishockey-Saison beendet ist, für ein paar Wochen zurück zu den Eltern in Duisburg. Seine Frau Gabriela und Tochter Sandra wohnen in Prag, wo er jetzt mit der Nationalmannschaft gastiert und für seine Teamkollegen den Reiseführer spielt: „Es ist für mich ein Heimspiel, hier habe ich zwei Jahre gespielt. Hier kenne ich sogar den Eismeister.“ Die tschechische Hauptstadt war von 1995 bis 1997 seine sportliche Heimat, bevor er bei den Washington Capitals die Chance bekam, seinen amerikanischen Traum zu verwirklichen. Neun NHL-Spiele durfte er damals bestreiten, dann war Schluss. In Finnland versuchte Benda noch einmal, die NHL-Klubs auf sich aufmerksam zu machen - vergeblich. Die zweite Chance bekam er nicht. Also entschied der Globetrotter sich für Russland als „Ersatz-NHL“. Dort genießt er nicht nur sportlich hohes Niveau, sondern auch westliche Annehmlichkeiten. Ein 100-Quadratmeter-Apartment mit italienischen Designermöbeln und einen eigenen Chauffeur hatte er in Kasan, wurde „bezuckert von oben bis unten“. In Moskau wird das nicht anders sein, denn „dort fließt das ganze Geld“. Mit weniger wird er sich bescheiden müssen, wenn er in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) zurückkehrt. Die Mannheimer Adler und die Berliner Eisbären haben in der Vergangenheit immer wieder bei ihm angeklopft. Ein paar Jahre will er noch in der DEL spielen, 2006 in Turin seine vierten Olympischen Spiele erleben - und dann, wenn er die Schlittschuhe an den Nagel gehängt hat, Nachfolger von Hans Zach werden. Quelle: Lions-Board
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